Triggerpunkte

Viele kennen das: man hat Schmerzen, die sind scheinbar an einer Körperstelle auszumachen, beim selbständigen Untersuchen kann man sie aber gar nicht auf einen Punkt lokalisieren. Andere Schmerzen scheinen auszustrahlen und über ein ganzes Körperareal ausgebreitet zu sein. Häufig wird dann vom Arzt eine Nervenentzündung diagnostiziert. Jedoch kommt es trotz Einnahme starker Schmerzmedikamente, unter Umständen auch über längere Zeiträume, zu keiner Besserung.

Was steckt dahinter?

Wenn man sich den Muskel als einen langen Zug mit vielen hintereinander geschalteten Waggons vorstellt, der die Kraftarbeit verrichtet, dann sind Triggerpunkte Waggons, bei denen die Bremse angezogen ist und der ganze Zug gestoppt wird.

Muskeln arbeiten durch die Summe hintereinander geschalteter motorischer Einheiten. Diese bestehen aus einem kleine Stück Schlauch in dem sich unterschiedliche Fasern ineinanderschieben und durch Zufuhr von Energie wieder auseinandergehen um die nächste Kontraktion vorzubereiten. Der Impuls bei der Willkührmotorik kommt hierbei über eine Nervenaufzweigung, der motorischen Endplatte. Diese überträgt einen elektrischen Strom und es kommt zu einer Umsetzung des Impulses. Dies setzt voraus, daß die motorische Einheit bereit und nicht gestört ist. Ist sie es nicht, kommt es kontinuierlich zu einer elektrischen Übererregung und Fixierung der kontraktilen Fasern. Die Verspannung breitet sich aus.

Verschiedene Gründe liegen für das Schmerzereignis von Triggerpunkten vor.

Einerseits sind schmerzleitende Nerven aus verschiedenen Körperregionen und Muskelgruppen auf Rückenmarksebene zusammengeschaltet und der Schmerz kann daher nicht gut differenziert werden, wodurch sich der Körper die Mühe des Datentransfers spart. Andereseits gehören manche Muskelgruppen und Gelenkeinheiten aufgrund der embryonalen Zellteilung zusammen, auch wenn sie sich beim ausgewachsenen Menschen voneinander entfernt haben. Die ursprüngliche Vernetzung bleibt bestehen und somit auch die nervale Versorgung.

Wie wird behandelt?

Die wichtigste Frage ist: Was löst den Triggerpunkt aus? Ist es eine dauerhafte Fehlhaltung, zum Beispiel am Arbeitsplatz? Sind es Folgen von Überlastung durch starke körperliche Anstrengung, war der Muskel vorher schon verletzt? Oder ist die Muskulatur insgesamt zu schwach? Liegen orthopädische Probleme vor, die eine harmonische Muskelbewegung unmöglich machen, oder sind wiederkehrende Gelenkblockierungen an einer Fehlregulation des Muskeltonus beteiligt?

 

Die Erforschung von Triggerpunkten durch Simons/Travell/Simons hat gezeigt, daß sich einmal vorhandene Triggerpunkte nicht von allein lösen. Sie können aktuell aktiviert sein oder aber auch schlummern. Sie lassen sich sogar mikroskopisch nachweisen und verschwinden auch nicht in Vollnarkose bei vollkommener Relaxation des Körpers. Sie können nur lokal behandelt werden.

Die Kunst ist das Erkennen des typischen Ausstrahlungsmusters durch die Beschreibung des Patienten und die Fähigkeit des Ertastens des Triggerpunktes. Hierdurch kann dem Patient eindeutig gezeigt werden, daß sein, möglicherweise als Einbildung abgestempelter Schmerz, ein echtes Korrelat hat, insbesondere wenn es dann zum Ausstrahlen kommt.

Hauptziel muß die elektrische Entladung des Triggerpunktes sein. Hierfür kommen Akupunkturnadeln in Betracht, die dann wie bei einem echten Blitzableiter den elektrischen Impuls entkoppeln. Dies spürt der Patient als ein Zucken, da sich der Impuls auf den ganzen Muskelbauch ausbreitet und eine kurze Kontraktion ausgelöst wird. Manchmal fühlt man auch kurz den bekannten einschießenden Schmerz in eine andere Körperregion. 

Effektiv ist auch das Spritzen mit einer sehr dünnen Nadel und einem lokalen Betäubungsmittel, welches den nachhallenden Schmerz mindert und die erneute Erregbarkeit des Muskels zunächst verhindert. Hiernach sind Dehnübungen zur Muskelverlängerung empfehlenswert.

Und zuletzt: ein verspannter Muskel ist meist ein schwacher Muskel. Deshalb ist ein begleitendes Muskeltraining immer Bestandteil der Therapie.